Mit Herzschrittmacher auf Kreuzfahrt

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Das Team von Onboard Radio ist für Sie immer wieder auf der Suche nach Neuigkeiten und Tipps rund ums Thema Kreuzfahrten. Aber natürlich klären wir für Sie auch Ihre Fragen! Eine Frage hat uns vor Kurzem aus Starnberg erreicht. Franz S. wollte wissen, ob man auch mit einem Herzschrittmacher Kreuzfahrten machen kann.

Unseren Beitrag aus dem Kreuzfahrtmagazin hören Sie HIER:

Prof. Dr. med. Bernd NowakWir haben bei Prof. Dr. med. Bernd Nowak, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Arzt im Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main nachgefragt. Er hat uns versichert, dass einem Kreuzfahrturlaub nichts im Wege steht, wenn man folgende Punkte beachtet:

 

  • Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen müssen sich Herzschrittmacher-Patienten vorher melden. Es wird dann eine manuelle Kontrolle durchgeführt, da die Aggregate einen Alarm im Metalldetektor auslösen können. Der Hand-Metalldetektor darf nicht schnell hintereinander über das Aggregat geführt werden, da es zur vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung kommen kann. Das Gleiche gilt für Kontrollen auf dem Kreuzfahrtschiff.
  • Patienten mit implantierten Herzschrittmachern oder Defibrillatoren dürfen ein Sonnenbad nehmen. Eine Beeinflussung des Aggregates durch die Wärme oder durch UV-Strahlen ist nicht zu erwarten. Auch der Besuch einer Sauna ist möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass durch die zugrunde liegende Herzerkrankung oder die aktuelle Medikation keine Einschränkungen bestehen. Grundsätzlich sollten Herzpatienten beim Sonnenbaden aber eher zurückhaltend sein. Ein Sonnenbrand im Bereich der Aggregattasche muss durch entsprechende Maßnahmen (Kleidung, Sonnenschutzcreme) vermieden werden, da es ansonsten potentiell zu Irritationen der Aggregattasche kommen kann.
  • Sofern ein Tauchurlaub geplant ist, müssen Herzschrittmacher-Patienten beim Tauchen wichtige Einschränkungen beachten, insbesondere bei Tauchgängen in tiefere Gewässer. Denn der erhöhte Druck unter Wasser, der sich im Körperinneren vom Gewebe auf den Herzschrittmacher fortpflanzt, kann ab bestimmten Tiefen Gewebsflüssigkeit in den Herzschrittmacher pressen und auf diese Weise Schäden an der Elektronik verursachen. Es wird daher generell von Tauchtiefen über 5 Meter abgeraten.
  • Sofern die Reise in eine Gegend mit nur unzureichender medizinischer Versorgung führt, sollte die letzte Aggregat-Kontrolle nicht länger als 6 Monate zurückliegen. Ebenso sollte sich der Patient erkundigen, wo in seiner Urlaubsregion bei Problemfällen eine Schrittmacherkontrolle möglich ist. Dies kann über die Herstellerfirma der Aggregate in Erfahrung gebracht werden.

Grundsätzlich muss überlegt werden, ob durch eine etwaige kardiale Grunderkrankung eine Einschränkung der Reisetauglichkeit vorliegt.

Was sagen TUI Cruises, Royal Caribbean & Co.?

Um ganz sicher zu gehen haben wir dann noch bei den unterschiedlichen Reedereien nachgefragt, ob diese Urlauber mit Herzschrittmacher auch befördern. Der Chief Senior Doctor Dr. Berthold Petutschnigg (TUI Cruises) hat uns von der Mein Schiff 4 mitgeteilt, dass man vorbereitet ist:

„Herzschrittmacherpatienten (mit SM) und Defibrillatorpatienten (mit ICD) leben,  arbeiten und urlauben auch an Bord der Wohlfühlflotte wie gesunde Patienten – sie müssen lediglich einen Schrittmacherausweis bei sich tragen, um bei den Sicherheitskontrollen an den Flughäfen beziehugnsweise Terminals nicht durch den Sicherheitsbalken durch, sondern seitlich vorgehen zu dürfen. Deshalb sollte der SM-Ausweis nicht im Koffer, sondern bei den Reisepapieren immer griffbereit sein! An Bord sind wir – für beide Geräte – mit einem auflegbaren Magneten ausgestattet, um entweder den SM in den Magnetmodus zu stimulieren oder den ICD durch Auflegen des Magneten auf das Aggregat auszuschalten bzw. durch Wegnahme des Magneten wieder in den Vollbetrieb zu schalten. Die Meldung als SM/ICD Träger bei der Reisebuchung sollte als obligatorisch anzusehen sein.“

Zudem hat uns der Sprecher von Royal Caribbean, Azamara Club Cruises und Celebrity Cruises, Peter Ulf Geisler informiert, dass auch bei der Nr. 2 am Weltmarkt das Thema Herzschrittmacher kein Problem darstellt.
Demnach befinden sich nahezu auf jeder Kreuzfahrt des Unternehmens Herzschrittmacherpatienten an Bord. Die Urlauber sollten vorab über Ihr Reisebüro sich entsprechend mit einem Formular anmelden und ein Ausweisdokument bei sich führen. „Die medizinische Ausrüstung an Bord der Schiffe ist erstklassig und absolut ausreichend“, so Geisler im Onboard Radio Interview.

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